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Group Exhibition

»SHOW YOUR DARLING IV – WILDNIS«

33 Photographic Positions by…
André Baschlakow, Ophelia Beckmann, Nora Bibel, Nadja Bournonville, Angela Bröhan, Eva Bruhns, Mario Dollinger, Alexander Gehring, Gero Gries, Matthias Hagemann, Silke Helmerdig, Doris Hinzen-Röhrig, Ruth Hommelsheim, Fred Hüning, georgia Krawiec, Manfred Kriegelstein, Hildegard Ochse, Stefanos Pavlakis, Eric Pawlitzky, Bartolomé Payeras-Salom, Stephan Reisner, Christian Reister, Joachim Rissmann, Jörg Schmiedekind, Alexandra Schraepler, Torsten Schumann, Jens Schünemann, Silvia Sinha, Karen Stuke, Martina Teepe, Susanne Wehr, Sabine Wild, Nicole Woischwill

(There is no english description available)

Die Wildnis ist prächtig, wenn sie ihr eigenes Ding machen kann. Sie ist unglaublich vielfältig, zäh, anpassungsfähig, eigensinnig, perfekt ausbalanciert, sehr sensitiv, aber auch äußerst brutal und gewissenlos. Kaum taucht der Mensch in ihr auf, wird ihr allerdings die Luft zu dünn. Widerstrebend zieht sie sich zurück, sucht sich neue Nischen, in denen sie ungestört nisten, wuchern, fressen und gedeihen kann. Die Wildnis besitzt tausend Gesichter und erzählt unzählige Geschichten.

Für die einen ist Wildnis ein umfassendes ökologisches System, in das der Mensch besser keinen Fuß setzt, um es nicht zu gefährden, ein freier Naturraum, der Jahrzehnte der Entwicklung benötigt, um das Gleichgewicht aller seiner Elemente und Bewohner zu finden. Für die anderen ist sie ein Naturmythos, an den sich die kühnsten und verwegensten Abenteuer knüpfen. Für Dritte ist sie nur noch Unkraut, das sich frech durchs Pflaster des Plattenweges kämpft und ausgerupft werden muss.

Sie steckt nicht nur im tiefsten, undurchdringlichen Teil des Regenwaldes, sondern sie läuft auch als Rotfuchs über den grünen Kunstrasen einer innerstädtischen Sportanlage. Im Grunde existiert sie überall, zumindest ihr Prinzip wird weithin sichtbar. Es zeigt sich auf dem Grünstreifen der Autobahn genauso gut wie auf den Arealen ehemaliger Industrielandschaften. Allabendlich pflügt sie als Rotte Wildschweine durch die Vorgärten der Großstadt, gefolgt vom Wolf, der sich in die deutschen Wälder zurückgeschlichen hat. So gesehen ist die Wildnis ganz nah, aber am Ende wohl immer noch sehr fern.

Die Wildnis schert sich nicht um Moral, Politik, Gesellschaft, Kunst und Architektur. Sie besitzt ihr eigenes Gesetz und folgt ihrer eigenen Bestimmung. Das Menschliche und die menschlichen Bedürfnisse sind ihr vollkommen egal. Eben weil sie so gut ohne den Menschen und seinen Expansionsdrang auskommt, weckt sie sein Interesse. Sie hat diese fatale Anziehungskraft: Je unnahbarer, wilder und solitärer sie erscheint, desto reizvoller wirkt sie. Der Mensch lauert ihr auf, schleicht ihr nach, setzt ihr zu, betet sie an, studiert sie bis in den letzten Winkel. Überall und in unzähligen Formen dringt er in sie ein: Als Goldschürfer im Regenwald, als Abenteurer in der Wüste, als Forscher an den arktischen Polen, als Safari-Tourist in Südafrika, sogar als Kammerjäger in den Tiefen der Metropolen. Selbst im städtischen Zoo glaubt er sie zu finden, die Wildnis. Dort steht er dann mit seinen Kindern und gafft.

Das wilde, ungezähmte Lächeln der Wildnis gefällt auch der Kunst, Sie erkennt sich darin selbst. Gern ergötzt sie sich an der unbändigen Kraft und Energie des Wildwuchses, ein anderes Mal blickt sie entsetzt auf die ungestüme Härte des natürlichen Eroberungstriebes.

Die Fotografie als Herrscherin des Lichts und des konservierenden Moments ist die einzige Kunstform, die der Wildnis in großer Gelassenheit gegenüber treten und mit sachlicher Hingebung folgen kann. Alle anderen müssen sie kopieren, sich in ihr Wesen einarbeiten, ihre Formen und Gestalten studieren, um das romantische Loblied auf ihre Exotik und Grausamkeit zu singen. Die Fotografie braucht dies alles nicht, sie kann geduldig darauf warten, dass die Wildnis an ihr vorbeikommt und ihren luziden Steckbrief abgibt.

Die Wildnis hat schon viele kommen und gehen sehen. Sie ist an nichts gebunden, außer an das Leben selbst. Das Leben ist ihre einzige Bedingung und existentielle Größe. Aus dieser Gleichung kann sie den Menschen leicht herausrechnen. Er wird die Wildnis wohl weiterhin brauchen, um zu überleben. Sie ihn ganz sicher nicht.

Stephan Reisner

Zur Ausstellung gibt es einen Katalog.
Weitere Infos zur Ausstellung: www.showyourdarling.de

Atelier Sabine Wild

May 5 — June 8, 2019
Opening Reception: Saturday, May 4, 7 pm
Finissage: Saturday, June 8, 7 pm

Eschenstr. 4, 12161 Berlin
[Friedenau | Tempelhof-Schöneberg]

Sat & Sun 3 – 7 pm

Admission free

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