Untitled, From The Series Atlantis (2011-2013) © Sylvie Weiss

Group Exhibition

ZWISCHEN // WELTEN

MALEREI, COLLAGE, FOTOGRAFIE

Maja Keyn, Henry Ruck, Rashid Salman, Sylvie Weiss

Opening: Tuesday, January 26, 2016, 19h
Exhibition: January 27 – March 4, 2016
Begleitprogramm: siehe unten!
Opening hours: Mon-Fri 10-18h
Admission free

Description

(there is no english description available)

Zum Thema „ZWISCHEN // WELTEN“ zeigen vier Berliner Künstler ihre sehr unterschiedlichen Sichtweisen, Handschriften und Techniken. Das macht diese Präsentation für den Betrachter besonders spannend.

In kleineren und großen Formaten mit verschiedenen Materialien bebildert Maja Keyn auf sehr eigenwillige Weise ihre Welt. Es scheint, als würde man wie ein Vogel über Kontinente fliegen und in großer Höhe ungeahnte wunderschöne aber auch schroffe Landschaften und seltsame Wesen erblicken. Ihre Arbeiten haben starke Strukturen und geraten teilweise zu plastischen Skulpturen.

Henry Ruck zeigt Leinwände in Acryl und Kreide. Seine Farbfantasien reflektieren gewissermaßen das Grundrauschen des Lebens mit all seinen Zwischentönen: mal warmtemperiert und schnell, dann wieder kühldunkel und fast schwerelos. Melodien des Tages, aber auch die leisen Brüche in einer sorgfältigen Ordnung sind Gegenstand seiner gestalterischen Visionen.

Eine fast märchenhafte Welt, wenn auch voller Fragen, entwirft Rashid Salman in seinen recht großen Collagen. Er greift in seiner Malerei bewusst und unkompliziert zeitgenössische Tendenzen auf, vermischt diese mit klassischen Mitteln, filigranen Materialien und Stoffen.

In ihrer Arbeit „Atlantis“ erzählt Sylvie Weiss über Identitätsfindung auf dem Weg ins Erwachsensein. Die gesamte Serie bewegt sich in einem Zwischenreich aus verheißender Glückseligkeit und sehnsuchtsvollen Traumwelten.


Text Sylvie Weiss / Atlantis von Constanze Müller (Kuratorin, D21 Kunstraum, Leipzig):

Der Umbruch von der Kindheit zum Erwachsensein ist geprägt vom Ausprobieren, einem In-andere-Rollen-Schlüpfen und der Sammlung von intensiven Erfahrungen der Welt. Dabei ist die Jugendzeit voller Versprechungen und Verheißungen. Sie begleiten die heut-zutage stark medial beeinflussten Jugendlichen in ihrer Suche nach ihrem Selbst, einem Leben und einer Zukunft. Diese Wunschwelten aus Werbung und Medien wirken umso eindringlicher je weniger sie eine soziale oder räumliche Brechung erfahren – wie es häufig in ländlichen Gebieten geschieht. Dabei ist die jugendliche Suche häufig eine nach etwas per se Unerreichbarem, einem absoluten Ort, an dem das Glück vermutet wird.

Die Arbeit „Atlantis“ von Sylvie Weiss verweist schon in ihrem Titel auf diese Suche nach einer anderen Welt. Der Name „Atlantis“ ist nicht nur jener des verlorenen, untergegangen mythischen Reichs, sondern wird auch gerade in ländlichen Regionen oft für Diskotheken, Erlebnisparks und Wellenbäder genommen: Orte die vor lauter Action, Wunschwelten und Künstlichkeit nur so strotzen. Diese in Wirklichkeit nicht selten recht trostlosen Orte ziehen ihren Zauber aus der Fiktion. Gleichzeitig verweist der Titel aber auch auf die Lebenssituation der portraitierten Jugendlichen. Ihnen nähert sich die Fotografin auf zwei verschiedene Weisen: Nach dem persönlichen Gespräch mit den Jugendlichen, die sie an ihren gewohnten Orten in der Kleinstadt aufsucht, fordert sie sie auf, sich in ihrer Lieblingskleidung zu präsentieren, also mit jenen Kleidungsstücken, die sie am stärksten charakterisieren. Die Beeinflussung der Jugendlichen durch Medien und Werbung, aber auch durch ihr Umfeld, wird dabei in Gesten, Blicken und der ausgewählten Kleidung unterschiedlich stark sichtbar. Die Jugendlichen nehmen Posen ein, die in der Selbstdarstellung vor der Kamera und der gemeinsamen Erarbeitung der Inszenierung entstehen. Nicht selten erinnern sie stark an mediale Vorbilder aus Mode, Kino und Popmusik, mitunter aber auch an Personendarstellungen der romantischen Malerei.

Der ausgesuchte Hintergrund ist dabei menschenleer und ohne präzise Verortung. Lediglich die für Vorstädte typische Umgebung wird sichtbar, in der die Jugendlichen die Zeit verstreichen lassen und miteinander rumhängen.
Sylvie Weiss gelingt es, der emotionalen Stimmung der Jugendlichen, die auf den Augenblick warten, einen Ausdruck zu geben und sie in ein Bild zu fassen. Die eigentümlich eingefroren wirkende Situation, in der sie die Jugendlichen in ihren vertrauten Umgebung festhält, erscheint als ein verdichteter Kosmos der Künstlichkeit, der in manchen Portraits in aufgesetzten, scheinhaften, exaltierten Posen seinen Ausdruck findet. Dieser Eindruck wird durch die sommerliche Atmosphäre der Bilder unterstützt. Pastelltöne und grelles Sonnenlicht unterstreichen die künstliche Unbeschwertheit, die Sehnsucht nach Spaß, die Lebenslust und stehen so mitunter im Gegensatz zur dargestellten Melancholie der Portraitierten. Insbesondere die Fotos im Licht der Sommernacht brechen diese Stimmung und vermitteln eine eigentümliche Traum-Sehnsucht, in der sich die Jugendlichen bewegen.
Die gesamte Serie bewegt sich in einem Zwischenreich aus verheißender Glückseligkeit und sehnsuchtsvollen Traumwelten. Der Taumel zwischen Glückseligkeit und Künstlichkeit und zwischen Melancholie und Enttäuschung ist nicht nur einer der dargestellten Menschen: er ist der Taumel des Lebens. Der Boden, auf dem die Jugendlichen sich bewegen, ist komplex, instabil und unsicher und muss daher aufmerksam erkundet werden, will man nicht vor den Fall kommen.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

Kunstsalon #1: Freitag, 19. Februar 2016, 19h
Lesung mit Alexander Bandilla (Kulturwissenschaftler, Schauspieler),
und Künstlergespräch mit Maja Keyn, Henry Ruck, Rashid Salman und Sylvie Weiss zur Ausstellung.
Eintritt: 5 € / ermäßigt 3 €

Künstlerführung durch die Ausstellung:
Mittwoch, 24. Februar 2016, 17h
Eintritt frei!

Event Details

untitled, from the series Atlantis (2011-2013) © Sylvie Weiss
|||::
Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin, Germany

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